"Drei Fragen an"  Männerseelsorger Thomas Walter

(Herbst 2021)

Thomas Walter ist Gemeindereferent in der Seelsorgeeinheit Waghäusel-Hambrücken. Seit September 2021 ist er von Erzbischof Stephan Burger mit der Männerseelsorge im Dekanat Bruchsal und im benachbarten Dekanat Wiesloch betraut. Wir haben ihm drei Fragen gestellt. Im Gespräch erzählt er von sich und seiner Vision von „Männerarbeit“, von den Säulen der Männerseelsorge in der Erzdiözese Freiburg und den ersten konkreten Projekten, die er in den Dekanaten plant.
 
Thomas Walter, Gefängnisseelsorger und Krankenhauspfarrer kennen viele. Aber dass es spezielle „Männerseelsorger“ gibt, ist nicht jedem bekannt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich in der pastoralen Arbeit vor allem den Männern zuzuwenden?
 
Es war keine Idee am Schreibtisch – schon gar keine von mir. Im Gegenteil: Lange Zeit war ich sogar skeptisch, was solche besonderen Formen von Seelsorge angeht. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob es die wirklich braucht. Warum können wir nicht als Geschwister gemeinsam unterwegs sein? 2014 habe ich einen Männerseelsorger getroffen. Er hat mich, wenn man so will, angeworben. Entscheidend war für mich ein Abend am Männerfeuer. Hier durfte ich erfahren, was ich in anderen Zusammenhängen in der Gemeinde eher selten erlebt habe: Männer haben unter sich offen über ihren Glauben, ihre Bedürfnisse und Ängste gesprochen. Es entstand dabei eine wahnsinnige innere Kraft oder Energie unter ihnen. Seither weiß ich: Ja, es braucht Räume für Männer, wo sie sich öffnen können, als Mann und Mensch, als Single, Partner und Vater und als Glaubender. Räume, wo Männer die Scheu ablegen und offen sein können und wo sie zu ihren Bedürfnissen und Verletzlichkeiten stehen dürfen.
 
Nach diesem persönlichen Reife- und Lernprozess habe ich dann gerne die Aufgabe als Männerseelsorger angenommen, als die Aufgabe an mich herangetragen wurde. Man kann‘s auch so sagen: Offenbar bin ich berufen worden durch Menschen, die mir gesagt und gezeigt haben: Für diese Aufgabe hat Gott dich ausgesucht. Hier sollt du wirken.
 
Was genau versteckt sich hinter dem Begriff der „Männerseelsorge“? Was macht ein Männerseelsorger?
 
Ich würde es so zusammenfassen: Ein Männerseelsorger bietet unterschiedliche Räume an, wo sich Männer öffnen können, wo sie sich selber und anderen begegnen und daraus ihr Leben gestalten, an dem Ort und den Lebensverhältnissen, in denen sie verortet sind. Dies geschieht durch ganz vielfältige Möglichkeiten und Angebote.
 
Vielleicht erklären es die „Grundlagen der Männerpastoral“ der Erzdiözese Freiburg. Sie sind das Fundament für die Männerarbeit. Im Kern geht es um drei Säulen: Berufung, Sammlung und Sendung.
Zur „Berufung“: Männer sind auf der Suche – wie jeder Mensch. Sie stehen im Leben, berufen an den Platz, an den Gott sie gestellt hat. Die Männerseelsorge begleitet die Männer aktiv in ihren Suchbewegungen nach Lebensentwürfen und spiritueller Heimat.
Zum Stichwort „Sammlung“: Männer sind nicht nur Einzelgänger und starke Typen, wie Männerbilder oft nahelegen. Auch ihnen tut es gut, sich in der Gemeinschaft zu treffen, sich auszutauschen, im Alltag, in Krisen oder privaten und beruflichen Umbruchssituationen. Die Männerarbeit eröffnet dafür Räume und begleitet diejenigen, die das möchten – eben auch spirituell, in der Gemeinschaft mit Gott.
Und schließlich zur „Sendung“: Die Männerarbeit will dazu beitragen, dass sich Männer aus ihrem Glauben heraus aktiv in Kirche, Gemeinde und Gesellschaft einbringen. Sie arbeiten, haben Hobbies und oft Familie. Und sie sind (oft) Christen. Wir ermutigen dazu, den Glauben auch zu leben. Für Männer ist das nicht immer leicht. Zum Beispiel sind sie als Väter Vorbild für die Lebens- und Glaubensgestaltung der Kinder. Diese Rolle auch wirklich wahrzunehmen, dazu ermutigt die Männerarbeit.
 
Und wie genau? Wie kann man sich das vorstellen? An Christi Himmelfahrt waren Sie ja bereits mit Männern auf dem Jakobsweg unterwegs. Geht das in diese Richtung?
 
Ja, klar. Die Männerseelsorge macht Angebote und organisiert Veranstaltungen, die letztlich auf diesen drei Säulen basieren. Das können mal spirituelle sein wie die Wallfahrt, mal kreative oder auch inhaltliche. Oft sind die Angebote überörtlich organisiert und ausgeschrieben. Als Männerseelsorger bin ich vernetzt mit dem Referat Frauen-Männer-Gender im Freiburger Seelsorgeamt. Ebenso mit der Regionalen Arbeitsgemeinschaft für Männerpastoral. Vor diesem Hintergrund ist es auch zu verstehen, dass ich gleich für zwei Dekanate berufen worden bin: für Bruchsal und Wiesloch.

Ich bin aber auch Ansprechpartner für Männergruppen in den Gemeinden. Ich berate, fördere diese und unterstütze sie, wo ich kann. Gerne auch bei Neugründungen. Auch für das Männerwerk und seine Gruppen bin ich ansprechbar. Die Kompetenzen und Ideen dazu habe ich mir über Fachtagungen und Fortbildungen angeeignet, die ich regelmäßig besuche.
 
Für die kommenden Monate habe ich auch schon einige Ideen, die ich umsetzen möchte. Zum einen wird es darum gehen, die Säulen der Männerpastoral und die Ideen und Pläne in einer Konzeption für das Dekanat schriftlich festzuhalten. Darüber hinaus habe ich aber auch schon einige ganz konkrete Termine geplant:
 
Männerwege 2022
26.-29.05.2022: Männerpilgern auf dem Jakobusweg Strasbourg – Saint Odile – Chantenois
01.-10.07.2022: Männer auf dem Weg mit und zu sich – zu Gott (Radein, Südtirol)
Herbst 2022: Männerpilgern auf dem Martinusweg
 
Nähere Infos zu den Terminen erscheinen künftig auf der Website des Dekanats und im Newsletter. Herr Walter, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen viel Freude bei Ihren Angeboten und gutes Gelingen der Männerseelsorge.
Thomas Macherauch
 
Rückblick: Unterwegs an Christi Himmelfahrt ...
 
Es ist Vater- bzw. Männertag! Unter Corona-Bedingungen machen sich zehn Männer aus der Seelsorgeeinheit Waghäusel-Hambrücken und der Region auf den Jakobusweg von Neustadt nach Elmstein in der Pfalz. Bei herrlichem Sonnenschein beginnt der Tag mit einem Gottesdienst – und dem Pilgersegen bei den Herz-Jesu-Priestern in Neustadt. Ein Tag in der Natur mit wertvollen Impulsen liegt vor ihnen.
 
Thomas Walter, Gemeindereferent in der Seelsorgeeinheit Waghäusel-Hambrücken, hat in diesem Jahr erstmals Männer aus der Kirchengemeinde, dem Dekanat und der Region zu dieser Aktion eingeladen. Mit großem Zuspruch! In kürzester Zeit waren die verfügbaren Plätze vergeben. Zehn Männer machten sich auf den Weg, um sich – ausgehend von der Himmelfahrt Jesu – spirituell mit sich, ihrem Leben und ihrer Beziehung zu Gott auseinanderzusetzen.
 
 
Im Gottesdienst zu Beginn erschloss Pater Gerd Hemken die Bedeutung des Himmelfahrtstages anhand von zwei Merkmalen: dem Rückblick, auf das, was war, und dem Ausblick, auf das, was kommt: den Blick über das menschliche Ermessen hinaus in den Himmel. Dieser Blick ist als Ziel des Lebens allen Menschen verheißen. An diesen beiden Stichworten, Rückblick und Ausblick, sollte sich der Männertag orientieren.
Mit dem Pilgersegen machte sich die Gruppe nach dem gottesdienstlichen Einstieg auf den Weg. Die ersten zwölf Kilometer ging es rückblickend um das eigene Leben oder einen Abschnitt daraus. Im strömenden Regen, Petrus hat just zu Beginn des Pilgerweges für ein ordentliches Gewitter gesorgt, gingen die Männer schweigend ihren Weg und schauten dabei zurück auf das, was war. Im zweiten Pilgerabschnitt wurde das Geschehene dann reflektiert. Im Fokus standen dabei die Worte Barmherzigkeit – Gerechtigkeit – Demut – Geduld – Bescheidenheit – Pflichterfüllung.
Nach einem Austausch darüber ging es bei besserem Wetter weiter über Lambrecht bis zur Vesperpause nach Iptestal.
 
Mit der Zusage aus dem Matthäusevangelium „Ich bin immer und überall bei euch, jeden Tag, bis zum Ende dieser Welt“ starteten die Männer am Mittag in den zweiten, etwas kürzeren und leichteren Wegabschnitt. Dieses Schriftwort betend und bedenkend gingen die Männer den Jakobusweg weiter bis Elmstein und richteten dabei ihren Blick auf alles, was in ihrem Leben bevorsteht.
Nach der Rückfahrt mit dem Linienbus nach Neustadt endeten der Weg und der Tag mit einem Abschluss am Kloster der Herz-Jesu-Priester.
Dankbar allen, die diesen Tag möglich gemacht haben – bei den Familienvätern vor allen Dingen den Frauen – machten sich die Männer auf den Nachhauseweg. Sie kehren zurück in den Alltag, gestärkt durch die Gemeinschaft und die Zusage Jesu: „Ich bin bei euch!“